Anfahrt

0179 / 41 77 120

Beitrag veröffentlicht am 18.06.2020 | Verena Küpperbusch

Veränderungen: Gut vorbereitet zu Neuem aufbrechen

Veränderungen sind nicht immer leicht. Manchmal braucht es harte Arbeit, um eine Veränderung zu erreichen. Hin und wieder wünschen wir uns Veränderungen, aber scheitern dann doch wieder. Und in anderen Fällen passieren sie einfach so. Irgendwann wundern wir uns dann, wie problemlos und nahezu unbemerkt Veränderungen ablaufen können. Woran liegt das und wie lassen sich Veränderungen gezielt umsetzen?

Sozialpsychologische Forschung kann eindrucksvoll belegen, dass Lernen alleine nicht ausreicht, damit wir unser Verhalten ändern. Aber es ist die Grundlage, auf der Veränderungen stattfinden.

Zwei Beispiele:

Es reicht nicht aus, zu wissen, dass Rauchen ungesund ist und auf welche Weise es dem Körper Schaden zufügt. Das alleine lässt niemanden zum Nichtraucher werden. Dieses Wissen kann aber dazu führen, dass wir erkennen, dass eine Veränderung sinnvoll wäre. Genauso wird niemand zum Sport-Ass, weil man weiß, wie der optimale Trainingsplan aussehen muss. Aber um topfit zu werden, sollten wir wissen, wie wir optimal trainieren können.

Kognitives Wissen lässt uns also erkennen, wo Veränderungen sinnvoll und wichtig wären. Damit wir unser Verhalten ändern, brauchen wir allerdings mehr.

Motivation

Motivation ist unser innerer Antrieb. Sie steuert unsere Absicht, die eigenen Ziele und Wünsche umzusetzen. Gleichzeitig reguliert unsere Motivation, wie stark wir uns für die Umsetzung unserer Ziele und Wünsche engagieren.

Motivation entsteht einerseits durch die Aktivierung von Nervenzellen: Wenn z. B. vor uns ein Löwe auftaucht, gelangt diese Information über den Sehnerv ins Gehirn. Hier löst sie weitere neuronale Aktivierungen aus, so dass unsere Motivation wegzulaufen sehr schnell sehr hoch ist. Zum anderen entsteht Motivation durch emotionale Impulse: unsere Gefühle. So kann es sein, dass das Verlangen nach einem sportlichen Körper dazu führt, endlich mit dem Training anzufangen. All diese Beweggründe lassen sich als Motivation zusammenfassen: Sie erzeugen in uns den Willen zu Veränderungen, damit wir ein Ziel erreichen.

Ressourcen

Alle Motivation zur Veränderung nützt jedoch nichts, wenn wir zu wenig Ressourcen zur Verfügung haben. Je nach angestrebter Veränderung braucht es Zeit, Geld und die Unterstützung von anderen. Damit Veränderungen nachhaltig gelingen, lohnt es sich, die eigenen Ressourcen zu prüfen. Für zusätzliche Unterstützung können Freunde, Mentoren oder ein Coaching in Frage kommen.

Komplexität von Veränderungen

Je komplexer Veränderungen sind, desto mehr Lebensbereiche sind von ihnen betroffen. Bei Veränderungen, die wir lange ersehnt haben, macht uns das wenig aus – sogar dann, wenn die Veränderungen sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn wir zu unserem Partner bzw. der Partnerin in eine gemeinsame Wohnung ziehen; vielleicht sogar in eine neue Stadt. Obwohl sich dadurch das gesamte Lebensumfeld ändert, blicken die meisten glücklich Verliebten so einer Veränderung freudig entgegengehen und fiebern darauf hin.

Wie frei und selbstbestimmt können wir Veränderungen angehen?

Völlig anders sieht es aus, wenn wir eine Veränderung nicht wollen: berufliche Veränderungen, eine Erkrankung oder der Tod einer nahestehenden Person. All das kann in uns erst einmal einen Schock auslösen. Möglicherweise versuchen wir auch anfangs so zu tun, als ob es die veränderte Situation gar nicht gäbe. Solange, bis die Einsicht kommt, dass das nicht länger funktioniert. An diesem Punkt müssen wir die veränderte Situation annehmen und lernen, mit ihr umzugehen – egal, wie schmerzhaft das sein mag.

Notwendigkeit und Bedeutung von Veränderungen

Nicht selten ist eine Veränderung dringend notwendig. Das bedeutet jedoch längst nicht, dass wir keine Angst davor haben oder uns dabei wohl fühlen, wenn wir gewohnte Pfade verlassen. Veränderungen und Neues bringen immer auch Unsicherheit mit sich. Daher ist es hilfreich, bevorstehende Veränderungen von allen Seiten zu prüfen – kognitiv (mit dem Verstand) sowie emotional (anhand der Gefühle, die Veränderungen hervorrufen):

  • Welche Chancen bringt die Veränderung mit sich, wenn wir sie erfolgreich meistern?
  • Gibt es Hürden, die wir bei der Umsetzung bedenken müssen?
  • Treiben uns Sorgen, vielleicht sogar Ängste, angesichts der Veränderung um?
  • Wie sehen die notwendigen Schritte für eine gelungene Veränderung aus?
  • Welche Unterstützung brauchen wir dabei?
  • Was gewinnen wir, wenn wir die Veränderung erfolgreich bewältigt haben?
  • Wie groß wird unser Einsatz für die Veränderung sein?

Das Tempo von Veränderungen

Das Tempo, in dem Veränderungen vollzogen werden können, orientiert sich an den beteiligten Personen. Können wir eine Veränderung alleine bewerkstelligen, können wir sie meist auch in unserem eigenen Tempo gestalten. Zumindest dann, wenn wir die notwendige Gestaltungsfreiheit dafür haben. Kommt allerdings Veränderungsdruck von außen hinzu oder sind mehr Personen an der Veränderung beteiligt, sieht das anders aus: Manche Personen sehnen eine Veränderung nur so herbei. Sie planen und gestalten aktiv mit. Andere müssen erst mehr oder weniger aufwändig von ihrem Nutzen überzeugt werden. Am Schluss bleiben die Nachzügler übrig, die erst dann auf den fahrenden Zug der Veränderungen aufspringen, wenn es gar nicht mehr anders geht.

Risiken von Veränderungen

Wie früh oder spät eine Person in einen Veränderungsprozess einsteigt, hat auch mit dem Risiko von Veränderungen zu tun. Genauso wie das Tempo, mit dem Veränderungen umgesetzt werden. Dabei ist sowohl das persönliche Risiko als auch das Risiko für das System, in dem eine Person lebt und arbeitet, von Bedeutung: Wer den Veränderungsbedarf erkennt und darin gute Chancen für sich und sein Umfeld sieht, wird zügig starten wollen. Wer hingegen große Bedenken gegenüber Veränderungen hat, wird sich eher langsam herantasten, wenn nicht gar sie zu verhindern versuchen.

Umfang von Veränderungen

Wie groß wird der Unterschied zwischen vorher und nachher sein? Mit welcher Intensität wird die Veränderung alle Beteiligten fordern? Welchen Umfang werden die Anpassungsprozesse einnehmen? Die Antworten auf diese Fragen geben einerseits einen Einblick in das Ausmaß von Veränderungen. Andererseits geben sie einen Hinweis darauf, mit wie großen Herausforderungen zu rechnen ist, wieviel Engagement aller Beteiligten notwendig ist und nicht zuletzt, mit wieviel Stress eine Veränderung verbunden sein wird. Reicht Ihre Resilienz dafür aus? Möchten Sie Abschied nehmen von alten Dingen und eine Veränderung wagen?