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Beitrag veröffentlicht am 07.05.2020 | Verena Küpperbusch

Das allgegenwärtige Gefühl von Unsicherheit

Unsere modernen Lebensverhältnisse bringen Unsicherheit mit sich. Was heute noch aktuell ist, ist morgen schon wieder überholt. Das trifft bereits unter normalen Bedingungen zu. Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wird es geradezu erdrückend.

Wodurch entsteht Unsicherheit?

Unsicherheit entsteht zum einen durch Gefahren. Wenn wir uns in Gefahr fühlen, bedroht das unsere Sicherheit. Dies lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der den Verkehr in modernen Großstädten nicht kennt. Er soll nun plötzlich mitten in einer pulsierenden Großstadt eine stark befahrene Straße überqueren. Wie wird er sich dabei fühlen? Schon die Menge an Fahrzeugen und deren Geschwindigkeit würde die Person als Bedrohung wahrnehmen. Die Gefahr, beim Überqueren der Straße von einem der Fahrzeuge erfasst zu werden, würde das Gefühl von Unsicherheit auslösen.

Zum anderen entsteht Unsicherheit durch Ungewissheit. Wer nicht weiß, was er als nächstes tun soll, gerät in Stress. Wenn die Person in unserem Beispiel ihr Ziel auf der anderen Straßenseite unbedingt erreichen wollte, wird sie in Stress geraten. Genauso wirkt sich Ungewissheit auch in anderen Lebensbereichen aus. Situationen sind dann nicht mehr vorhersagbar. Wir verlieren die Kontrolle. Und das gefährdet wiederum unsere Handlungsfähigkeit.

Wege aus der Unsicherheit

In unserem einfachen Beispiel würde es der Person helfen, Informationen zu sammeln. Darüber, welche Verkehrsregeln gelten und wie sich zu Fuß Gehende sicher im Straßenverkehr bewegen können. Damit und mit ein bisschen Übung wird es der Person aus dem Beispiel mühelos gelingen, ihre Unsicherheit abzulegen. Dann wird sie ihr Ziel problemlos und (fast) ohne Stress erreichen.

Natürlich können wir Ziele, die wir uns gesteckt haben, aufgeben oder ändern. Die Person aus dem Beispiel könnte sich also entscheiden, ihr Ziel auf der anderen Straßenseite nicht mehr erreichen zu wollen. Vielleicht ist ihr der Aufwand zu groß. Oder das Ziel ist nicht wichtig genug.

Wenn ein Ziel jedoch zu wichtig ist, um es einfach aufzugeben, lohnt es sich, sorgfältig alternative Strategien zu prüfen. Gibt es einen Umweg, durch den sich die Straße an einer weniger befahrenen Stelle passieren ließe? Oder eine Brücke, die über die Straße führt? Kreative Ideen können dabei zu erstaunlichen, neuen Lösungsmöglichkeiten führen. Unsere Erfahrungen und Gefühle helfen uns dann, diejenige Methode auszuwählen, die den größten Erfolg verspricht.

Soziale Kontakte

Wenn keine Vorgehensweise erfolgversprechend ist, bleibt immer noch eine besondere Möglichkeit: Menschen sind soziale Wesen. Unsere Fähigkeit zur Empathie führt zu sozialem Zusammenhalt. Soziale Kontakte und emotionale Bindungen fördern unser Vertrauen in andere Menschen. Zudem stärken sie unsere gegenseitige Verantwortung. Diese Gemeinschaft ist in Unsicherheiten ausgesprochen wichtig.

Im geschilderten Beispiel wäre es für die Person, die die Straße nicht selbstständig zu überqueren wagt, wohl am einfachsten, wenn ihr eine Vertrauensperson sicher über die Straße helfen würde. Ähnlich verhält es sich auch in vielen Alltagssituationen: Unterstützung durch eine Vertrauensperson verringert Unsicherheit deutlich. Auch im Berufsleben nutzen wir diesen positiven Effekt im Mentoring und Coaching. Mit ihnen gewinnen Mitarbeitende und Führungskräfte Sicherheit für neue Herausforderungen.

Was geschieht aber, wenn keine Informationen vorliegen und Erfahrungswissen fehlt?

Das entspricht in etwa der aktuellen Situation durch die Corona-Pandemie: Es handelt sich um ein neues Virus. Zu Beginn der Ausbreitung hatte niemand sichere Informationen. Wir wussten nicht, was gegen das Virus hilft oder wie sich eine Gesellschaft am besten verhält, um für die Pandemie gewappnet zu sein. Wir mussten gemeinsam – als Gesellschaft – Informationen sammeln. So gewinnt die Forschung neue Daten über das Virus. Mit ihnen werden mögliche Verläufe berechnet.

Neue Informationen sammeln, prüfen und bewerten

Fachleute unterschiedlichster Disziplinen entwerfen Modelle zu den Auswirkungen möglicher Maßnahmen. Sie versuchen dabei herauszufinden, wie stark verschiedene Gruppen der Bevölkerung durch sie betroffen wären. Gleichzeitig werden neue Informationen geprüft und bewertet, um die notwendige Sicherheit für konkrete Handlungsschritte zu entwickeln. Dabei wird mit jeder weiteren Information erneut geprüft und bewertet, ob das aktuelle Vorgehen beibehalten werden sollte oder ob Kurskorrekturen notwendig sind.

Nach und nach lassen diese Maßnahmen die Unsicherheit kleiner werden. Es wird noch dauern, bevor wir irgendwann gut über das Virus Bescheid wissen und praktikable Lösungen gefunden sind. Erst dann wird sich die Unsicherheit ganz auflösen.

Das Gegenteil von Unsicherheit ist Gelassenheit

Was im großen Maßstab auf die Unsicherheiten im Umgang mit dem Corona-Virus zutrifft, gilt auch für unsere individuelle Unsicherheit. Verlässliche Informationen stärken unsere Fähigkeit zu eigenverantwortlichem Handeln. Denn gesicherte Informationen und Eigenständigkeit sind die Voraussetzungen für individuelle Gelassenheit.