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Beitrag veröffentlicht am 14.07.2020 | Verena Küpperbusch

Stress – Krankmacher oder faszinierende Strategie

Ihn kennt wohl jeder Mensch. Für die meisten ist Stress etwas Negatives. Wir verbinden ihn nahezu automatisch mit Überlastung oder traumatischen Erlebnissen. Dass sowohl chronischer als auch traumatischer Stress schädlich ist, ist gut belegt. Er kann psychische Störungen und körperliche Erkrankungen begünstigen oder sogar verursachen. Aber muss er immer diese schädigenden Effekte auf die Gesundheit haben?

Stresserleben

Jeder Mensch erlebt es anders: Bei manchen rasen die Gedanken nur so durch den Kopf – andere erstarren geradezu. Einige futtern unter Stress alles in sich hinein – weitere bekommen nichts mehr runter. Viele finden nachts nicht in den Schlaf oder kommen morgens kaum aus dem Bett. Das hat natürlich starke Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit.

Oft erleben wir Stress als Folge einer hohen Arbeitsbelastung oder wegen besonders herausfordernder Aufgaben. Manchmal auch als Konsequenz aus belastenden Umständen, wie zum Beispiel durch eine Trennung oder andere gravierende Lebensereignisse. Auch wenn die Ursachen oft ähnlich sind, das Erleben ist bei jedem Menschen anders und jeder hat eine eigene Einstellung zum Stress.

Die einen machen sich große Sorgen, weil sie fürchten, durch Stress krank zu werden. Insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in diesem Zusammenhang gefürchtet. Andere erleben ihn als unangenehm anstrengend und möchten ihn deshalb lieber vermeiden. Nur wenige Menschen erleben Stress als inspirierend und leistungsfördernd. Dabei gibt es durchaus Hinweise darauf, dass er positive Auswirkungen haben kann.

Die eigene Einstellung

Abiola Keller und ihr Kollegium konnten in ihrer Studie zeigen, dass es einen großen Unterschied macht, mit welcher Einstellung wir Stress begegnen. Die eigene Wahrnehmung hat Einfluss darauf, wie sich Stress auf die persönliche Gesundheit auswirkt. Menschen, die die körperlichen Reaktionen auf Stress als sinnvoll und hilfreich einschätzten, zeigten eine gesündere Stressreaktion. Das Herzklopfen, die schweißnassen Hände; wer dabei realisiert: Das ist mein Körper, der mir hilft, diese Herausforderung zu meistern – kann mit Stress gesünder umgehen.

Eine weitere Studie konnte zeigen, dass Stress sogar gesund sein kann, solange er nicht chronisch wird. Denn während zu wenig Stress zu Langeweile führt und sogar Depressionen zur Folge haben kann, kann zu viel davon Angst auslösen und die Gesundheit schädigen. Das richtige Maß an akutem Stress ist also wichtig. Dann regt er das Gehirn an und verbessert Leistung und Gesundheit.

Hormonelle Reaktionen

Ein weiterer Effekt ist, dass Stress uns sozialer macht. So zeigt es eine Studie der Uni Freiburg. In Stressreaktionen schüttet die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) das Hormon Oxytocin aus. Oxytocin wird manchmal auch als Kuschelhormon bezeichnet. Es steigert die Empathie und führt dazu, dass wir Dinge tun, die unsere engen Verbindungen zu vertrauten Personen stärken. So lässt es uns Unterstützung suchen, wenn wir selber in stressige Situationen geraten. Und es steigert unsere Bereitschaft anderen zu helfen, wenn sie unsere Hilfe brauchen.

Gleichzeitig schützt uns diese Bereitschaft, andere zu unterstützen, auch selber: Menschen, die mehr Zeit darauf verwenden, sich um andere zu kümmern, zeigen überhaupt kein höheres Risiko, aufgrund von Stress zu sterben. Helfen schafft also Belastbarkeit. 

Dass sich das Hormon Oxytocin nicht nur im Gehirn auswirkt, belegt eine weitere Studie. Im ganzen Körper orchestrieren Stresshormone eine groß angelegte Umverteilung von Immunzellen. Dadurch können sie die schützende Immunität erhöhen und Entzündungsreaktionen reduzieren. Auch hier ist Oxytocin beteiligt: Es ist ein natürlicher Entzündungshemmer und hilft den Herzzellen, sich zu regenerieren. Unterstützung und Nähe von vertrauten Personen können diesen gesundheitlichen Effekt zusätzlich verstärken. Unsere Stressantwort hat also einen integrierten Mechanismus zur Steigerung unserer Belastbarkeit.

Das sinnstiftende im Leben

Ein stressiger Job muss also nicht zwingend schlecht für die eigene Gesundheit sein. Solange wir unsere stressigen Aufgaben als sinnstiftend erleben und daran glauben, dass wir sie schaffen können, sind sie für unsere Gesundheit sogar besser, als wenn wir Unannehmlichkeiten stets aus dem Weg zu gehen versuchen. Sollten Sie sich Unterstützung wünschen, um einen besseren Umgang mit Stress zu erlernen, unterstütze ich Sie gerne mit einem Coaching.